10 Punkte-HR Checkliste fürs Comeback aus dem Homeoffice Extreme

Jetzt kommt sie: Die Zeit der „Lockerung“ und des Wiederrauffahrens! Und damit wohl auch langsam wieder die Rückkehr ins Office nach vielen Wochen im Homeoffice. Wie sollen sich die Organisationen und speziell die HR Verantwortlichen darauf vorbereiten?

Dazu gab es einige Tipps und Ideen bei der Kick-off Veranstaltung von Work Smart Austria zum Thema „Homeoffice Extreme: Zeit für eine Retrospektive“ letzte Woche. Nachdem ich (gerne auch dynamische) Listen liebe, möchte ich diese in eine Vorbereitungs-Checkliste für das Comeback aus dem permanenten Homeoffice mitaufnehmen:

1. Homeoffice/Mobile office Policy aktualisieren oder erstmalig erstellen: Michael Bartz (IMC FH Krems), Katja Moissidis (Magenta Telekom) und Eveline Breitwieser-Wunderl (Porsche Holding Salzburg) und teilten ihre Empfehlungen rund um das Thema Zusammenarbeit und Organisation. Michael Bartz rät zum Beispiel dazu, den Kalender zu teilen (Ansicht gebuchter Zeitslots), Katja Moissidis findet es wichtig, Erreichbarkeitserwartungen zu klären (z.B. Rückruf beim Vorgesetzten innerhalb von 30 Minuten, falls gerade Erreichbarkeit vereinbart ist), aber auch die Abgrenzung von Arbeit und Freizeit zu unterstützen. Auch Fokuszeiten und Nicht-Erreichbarkeit sollten aktiv über „Bin beschäftigt“ kommuniziert werden. Homeoffice-Tage fallen (wie früher häufig zu beobachten) weder unter „Den ruf ich erst morgen an, der ist heute im Homeoffice“ noch unter (wie jetzt beobachtbar) „Always on“. Die richtige Balance hat großes Potential, ist aber eine echte Herausforderung. Michael Bartz ist überzeugt, dass Arbeitgeber, die nach Corona gar keine Homeoffice-Option mehr anbieten, in Erklärungsnotstand kommen werden und an Arbeitgeberattraktivität einbüßen werden.

2. Employer Branding schärfen: Auf Kurzarbeit statt Kündigungen gesetzt? In der Krise vom hohen Innovationsgrad profitiert? Digitalisierungsboost gestartet? Balanceakt aus Flexibilität und Work-Life-Balance gemeistert? Gute wirtschaftliche Perspektive? Druck für Eltern ohne Kinderbetreuung reduziert? Wendigkeit durch neue Geschäftsmodelle, Produkte oder Services bewiesen? Nur raus mit der Info, am besten über authentische Ambassador-Stories!

3. Comeback-Team gründen: Katja Moissidis berichtete, dass bei Magenta ein Comeback-Team eingesetzt wurde, um die Rückkehr gut vorzubereiten. Abteilungsübergreifend besetzt führt das Comeback-Team eine Szenarienplanung durch, steuert und koordiniert. Das lohnt sich auch in kleineren Organisationen.

4. HR als Innovationsermöglicher: Ich fürchte da werden jetzt einige InnovationsmanagerInnen schmunzeln, weil sie sich schon freuen, wenn ihre HR-Abteilung Innovationsvorhaben nicht bremst. Beweist das Gegenteil und unterstützt die Wendigkeit und Anpassungsfähigkeit eurer Organisation. Fördert eine Kultur des erlaubten Scheiterns und des selbstbestimmten Arbeitens. Wer jetzt aufzeigt, was die eigene Organisation in kurzer Zeit zustandegebracht hat (z.B. Homeofficeumstellung oder Serviceinnovation), macht dem Team Mut, weiterhin neue Wege zu gehen und Risiko zu nehmen. Werdet Geburtshelfer neuer Geschäftsmodellen, Services oder Produkte.

5. Spirit für Weiterentwicklung der Organisation nutzen: „Trust is the new Control!“ gab Eveline Breitwieser-Wunderl den TeilnehmerInnen mit. Jetzt ist die richtige Zeit, um Silos aufzubrechen und Neues auszuprobieren. Also wie wäre es zum Beispiel mit Working Out Loud, flexibleren Teamstrukturen und mehr Arbeitszeitflexibilität? Wir haben erlebt, wie einfach Prozesse umgestoßen werden können und dass Prozesse uns dienen sollen und nicht wir ihnen. Lasst euch vom Can-do Spirit wie ihn Tandemploy oder Work Smart Austria versprühen und wie er bei euch spürbar wurde, beflügeln!

6. Gegensteuern bei Überlastung durch Always on: Das permanente Homeoffice hat bei vielen für einen Flexibilitätsschub gesorgt. Selbstbestimmtes, freies Arbeiten entspricht unserem Zeitgeist und hat das Potential, zu hoher Arbeitszufriedenheit beizutragen. Astrid Reichel (Universität Salzburg) ergänzte, dass es zahlreiche empirische Belege dafür gibt, dass Homeoffice die Produktivität steigert.Gleichzeitig wies die HR Interimsmanagerin Elisabeth Pichler auch auf die Gefahr des Ausbrennens hin, wenn Freizeit und Arbeitszeit ineinander fließen. Dabei schreibt Katja Moissidis Führungskräften eine zentrale Rolle zu, (Nicht-)Erwartungen klar zu kommunizieren und gegenzusteuern.

7. Office mit neuen Augen betrachten und gestalten: Das Office als zwischenmenschlicher Chemie-Erlebnisraum und als Raum, der Unplanbares ermöglicht, fehlt uns. Der Stellenwert des Büros „als Ort des Austausches“ wird gerade in der „Arbeiten mit Corona“-Zeit ein viel höherer sein, brachte die Innenarchitektin Romina Hafner in die Diskussion ein. Gleichzeitig erleben viele auch die Vorteile eines „high focus“-Workplace zu Hause, den sie nicht missen wollen. Wie kann das Office den Anforderungen noch besser gerecht werden?

8. Ideen für sicheres physisches Teambuilding sammeln: Wir-Gefühl erleben, näher zusammenrücken, Vertrauen stärken – danach sehnen sich viele nach einem Gefühl der sozialen Isolation. Was ist denn Outdoor mit Kleingruppen und dem nötigen physischen Abstand möglich, ohne dass es sich zu seltsam anfühlt? Das Startup teamazing setzt da zum Beispiel neben Klassikern wie Discgolf, Outdoor Gokart oder dem Hochseilgarten auf Geheimtipps wie Bubble Battle, einen gemeinsamen Flashmob oder Virtual Reality Games und achtet auf ein Setting, bei dem sich jeder sicher fühlt.

9. Fokus Onboarding: Hier sind viele Organisationen über sich hinaus gewachsen und haben Trainings virtualisiert und kompensiert, was geht. Neue MitarbeiterInnen haben dennoch einiges nachzuholen, um richtig anzukommen.

10. Danke sagen: Viele sind in den letzten Wochen über sich hinausgewachsen oder haben ganz einfach unter schwierigen Bedingungen durchgehalten. Ein symbolisches (süßes?) Dankeschön oder ein Teambuilding-Event ist da eine wunderbare Sache.

Was muss noch auf die Comeback-Checkliste? Und welche „Windows of Opportunity“ tun sich jetzt aus eurer Sicht auf?

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Deutlich wird jedenfalls, dass HR ManagerInnen weiterhin gefordert sind wie selten zuvor und die Chance haben, viel Positives zu bewirken und Negatives abzufedern.

Unterstützung bietet hier das kostenlose Work Smart Sparring Programm von Work Smart Austria. Dabei werden jeweils HR Experts zu 2er-Tandems gematcht, die durch Erfahrungsaustausch voneinander lernen.

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